Mein Mann – der Künstler – Treatment

Edgar v. Cossart

Max-Baermann-Str. 32

51429 Bergisch Gladbach

Tel.: 02204/81430

www.drehbuchseite.de

 

Mein Mann, der Künstler

Treatment

von Cossart

Wenn die Realität einen Traum zerstören kann,

warum soll ein Traum dann

nicht die Realität zerstören können?

George Moore, irischer Schriftsteller

Was schenkt man einem Mann, der alles hat? Sabine Ahlers (39), im kurzen Nachthemd nicht ohne Sexappeal, huscht gut gelaunt durch die Räume einer lichtdurchfluteten Villa. Sie deckt den Frühstückstisch und schmückt ihn mit Blumen, legt ein kleines Geschenk dazu und weckt die Teenager Linda (17) und Kay (15). Rainer Ahlers (43), Ehemann und Vater der Kinder, hat heute Geburtstag. Als Geschenk packt Rainer einen noblen Designerfüller aus.

Rainer arbeitet als Key Account Manager in der Heinrich Schüttler AG, einem mittelständischen Unternehmen der Packmittelindustrie. Er verdient sehr gut. Bekleidet mit dunklem Anzug, feinen Schuhen und einer perfekt gebundenen Krawatte verlässt er das Haus. Linda und Kay gehen zur Schule, Sabine bleibt zurück. Um ihrem Mann die Karriere zu ermöglichen, hat sie ihren Beruf als Grundschullehrerin aufgegeben.

Wie erwartet kündigt Heinrich Schüttler (65), Gründer und Besitzer der Heinrich Schüttler AG und Rainers Schwiegervater, beim Firmenmeeting seinen Rücktritt an. Wen sich Heinrich als Nachfolger wünscht, wird deutlich, als er Rainer die Unterschriftenmappe reicht. Rainer unterschreibt mit dem neuen Füller, der aber ausläuft. Die Tinte wischt Rainer mit einer Serviette weg, die er in seiner Aktentasche verschwinden lässt.

Ob Rainer seine Nachfolge antritt, ist nicht allein Heinrichs Entscheidung. Wegen hoher Kredite, die in schweren Zeiten aufgenommen wurden, haben Banken ein Mitspracherecht. Heinrich hat erfahren, dass Sales Manager Michael Zschiesche (34) ein Konzept ausarbeitet, wie die Firma lukrativer geführt werden kann. Damit meldet auch er Anspruch auf den Chefposten an.

Heinrich will unbedingt, dass die Firma in Familienbesitz bleibt. Er erklärt Rainer zum kommissarischen Chef. Er soll die Firma wieder auf Vordermann bringen, um derart die Banken zu überzeugen!

Als Rainer spät abends nach Hause kommt, liegen Sabine, Sohn und Tochter längst im Bett. Er packt seine Tasche aus, da fällt ihm die tintenbekleckste Serviette auf. Er betrachtet sie, grinst, weil sie ihn an seine bevorstehende Beförderung erinnert, glättet sie, nimmt ein Bild von der Wohnzimmerwand, entfernt es aus dem Rahmen und steckt stattdessen das Papiertuch hinein. Das Bild betrachtend bleibt Rainer noch lange im Wohnzimmer sitzen.

Nicht das Verpackungsmaterial an sich, sondern ihre Prägung ist das Arbeitsgebiet der Heinrich Schüttler AG. Deckel von Joghurtbechern, Butter- und Käsefolien oder Süßwarenverpackungen werden in riesigen Rotationsmaschinen farbig bedruckt. In der Hoffnung auf Einsparpotenzial macht Rainer den Vorschlag, die teuren Farben knapper zu mischen. Dann würden sie vielleicht einiges sparen, aber keine Aufträge mehr bekommen, weil die Kunden sich beschwerten, wird Rainer vom Vorarbeiter Leonardo Zanetti (54) rüde angemacht. Leonardo ist schon ewig in der Firma. Die Farben sind sein Metier! Rainer ist über den harschen Ton irritiert. Er verzichtet auf die Durchführung seines Vorschlages. Er fordert Geschäftsunterlagen an, bekommt sie aber nicht, weil Michael sie in Bearbeitung hat. Rainer könnte darauf bestehen, gibt aber auch hier klein bei.

Spät in der Nacht sitzt Rainer noch immer in seinem Büro. Auch in Michaels Büro brennt noch Licht. Als Rainer nicht mehr arbeiten kann, weil er nicht weiß, was er tun soll, aber auch nicht vor Michael gehen will, verspritzt er Tinte auf ein Blatt. Er lässt den Fleck verlaufen, ist nicht zufrieden, nimmt Filzstifte und beginnt zu experimentieren. Als in Michaels Büro endlich das Licht ausgeht, knüllt Rainer das Blatt zusammen, schmeißt es weg und verlässt die Firma.

Am Morgen ist Sabine schlecht gelaunt. Es gibt mal wieder Streit mit Tochter Linda. Die will die Schule schmeißen, um eine Schauspielschule zu besuchen. Rainer soll ein Machtwort sprechen! Dass das Leben kein Zuckerschlecken ist, beginnt Rainer die Standpauke, und ob sie glaube, dass ihm die Arbeit immer Spaß bereite. Wieso er die Arbeit dann mache, fragt Linda patzig zurück. Weil es im Leben Verpflichtungen gebe!

Am Abend hat Heinrich zur Pensionsfeier geladen. Kristina Fading (32), eine der Angestellten der Catering-Firma Artecuisine, reicht Rainer ein Sektglas. An Kristinas Fingern haftet Farbe. Dass sie Künstlerin sei, entschuldigt Kristina sich lachend, von ihrer Malerei aber nicht leben könne. Rainer ist interessiert. Dass er in seiner Jugend auch gemalt habe, offenbart er. Kristina ist überrascht. Wieso er nicht wieder anfange zu malen, will Kristina wissen. Er könne es sich schließlich leisten, beneidet sie ihn.

Kristina sieht nett aus, und sie hat eine gute Figur. Aus der Entfernung wird Michael aufmerksam. Er ist auf der Suche nach Rainers Achillesferse, weil er den Zweikampf um den Chefposten unbedingt gewinnen will – egal wie. In einem unbeobachteten Augenblick spricht Michael Kristina an. Sie lachen zusammen.

Wo das neue Bild geblieben sei, will Kays Nachhilfelehrer am nächsten Tag wissen. Er ist Mathematiklehrer, unterrichtet aber auch Kunst. Er meint die Serviette, die Rainer im Wohnzimmer aufgehängt hat. Er hat sie für eine Originalskizze des österreichischen Malers Arnulf Rainer gehalten. Rainer ist verblüfft. Er sucht und findet die Serviette im Abfall – kaum noch wiederzuerkennen. Sabine hat sie entsorgt. Sie dachte, es sei ein schlechter Witz von Kay gewesen.

Am folgenden Sonntag fährt Rainer in die Firma. Er geht in die verlassenen Produktionshallen, sieht sich um und nimmt vier Farbeimer mit, in jeder Grundfarbe einen. Wieder zu Hause verschwindet er im Keller. Dass er neue Farbmischungen ausprobiere, ruft er Sabine zu.

Nach Stunden steht er plötzlich da, über und über mit Farbe beschmiert. Linda und Kay schlafen schon, Sabine wollte eben schlafen gehen. Rainer möchte auch ins Bett, zusammen mit ihr. Es kommt überraschend, aber Sabine ist nicht abgeneigt. Der Sex geschieht auf eine neue, unkonventionelle Art, was Sabine gefällt. Sie schiebt den neuen Elan auf die anstehende Beförderung. Sie ist glücklich, weil alles zu stimmen scheint.

Anderntags wird Rüdiger auf der Arbeit mit einer fristlosen Kündigung konfrontiert, die er unterschreiben soll. Ein Arbeiter hat Farbe geklaut! Der Arbeiter leugnet. Es sind aber Farbeimer in seinem Wagen gefunden worden. Rüdiger will es im Guten regeln. Da mischt Heinrich sich ein. Rüdiger muss härter werden, will er die Firma auf Vordermann bringen! Rüdiger unterschreibt die Kündigung. An seinen Fingern haftet Farbe, was aber niemandem auffällt.

Abends klingelt Leonardo an der Tür der Villa. Er will Lorenzo (14), seinen Sohn, abholen. Kay, der Direktorensohn und Lorenzo, der Sohn des Vorarbeiters, sind beste Freunde. Lorenzo kommt angelaufen, mit einem leeren Farbeimer in der Hand. Es ist ein Eimer aus der Firma. Er braucht ihn für ein Schulprojekt.

Auf dem Nach-Hause-Weg fragt Leonardo seinen Sohn, woher er den Behälter hat. Er hat ihn von Kay, und der hat ihn aus dem Hausmüll gefischt. Der Vater von Kay hat die Farbe benutzt.

Sabine weiß, dass es schon immer der sehnlichste Wunsch ihres Vaters war, eine Weltreise mit einem Segelboot zu machen. Jetzt hat er ein Boot bestellt, technisch auf dem höchsten Stand. Sabine macht sich Sorgen, ob der Vater inzwischen nicht zu alt ist. Er kann noch nicht mal mit seinem Handy umgehen. Vielleicht kann man ihn von seinem Vorhaben abbringen? Um das zu versuchen, möchte Sabine ihre Eltern zu einem opulenten Essen einladen. Rainer schlägt vor, ein Catering-Unternehmen zu beauftragen, was Sabine recht ist.

Bei Artecuisine bespricht Rainer Essen und Aufwand. Dann fragt er, ob es möglich sei, eine ganz bestimmte Mitarbeiterin zu buchen. Er kenne ihren Namen nicht, könne sie aber beschreiben. Er erinnere sich, dass sie künstlerisch tätig sei. Er erkennt Kristina auf einer Fotografie.

Rainer hängt zwei großformatige Bilder im Wohnraum auf. Es ist ein wüstes Gekleckse aus knalligen Farben. Er hat sie gemalt. Sabine versteht nicht. Als Kay lachend wissen will, wer da mit Fingerfarben experimentiert hat, reagiert Rainer gereizt.

Er will die Bilder nicht wieder austauschen, auch nicht, wenn die Eltern zum Essen kommen – auf keinen Fall! Sabine reagiert verärgert. Die wertvollen Originale, die Rainer für seine „Klecksereien“ abgehängt hat, sind Hochzeitsgeschenke ihres Vaters gewesen!

Während des Essens versucht Sabine ihren Vater von der Weltumsegelung abzubringen. Heinrich will mit Rainer über die Firma reden. Rainer sucht die Nähe von Kristina, um mit ihr über seine Bilder zu sprechen. Als es auffällt, verlegt er sich aufs Trinken.

Viel zu früh brechen die Eltern auf. Sabine flippt aus. Was mit ihm los sei, will sie von Rainer wissen. Dass er sich lächerlich mache, schimpft sie und gibt den Bildern die Schuld, die sie pubertäre Schmierereien nennt. Sabine weint, weil sie ihren Mann nicht versteht.

Noch in derselben Nacht verbrennt Rainer die Bilder im Garten. Sabine beobachtet ihn durch das Fenster des Schlafzimmers. Das Feuer macht ihr Angst.

Seinen Anweisungen in Bezug auf die Farbeinsparungen sind Folge zu leisten! Oder ob sie alle entlassen werden wollten? Das sagt Rainer dem Vorarbeiter Leonardo mitten ins Gesicht und duldet keine Widerworte. Rainer ruft Kunden an, dass er ihre Preisvorstellungen akzeptiert. Dann entschuldigt Rainer sich bei Heinrich für den verpatzten Abend. Heinrich ist nicht nachtragend. Hauptsache, Rainer schafft es, die Firma wieder auf Vordermann zu bringen.

Rainer lässt die Sekretärin einen Termin bei der Bank machen. Ob die Rechnung der Catering-Firma vom Geschäftskonto abgehe, will sie wissen. Nein, natürlich nicht, schnauzt Rainer.

Der Arbeiter, dem der Farbendiebstahl vorgeworfen wird, hat einen Anwalt eingeschaltet. Der widerspricht der Kündigung. Es handele sich um einen geringerwertigen Diebstahl, der eine sofortige Kündigung nicht rechtfertige. Tatsächlich wurden nur vier leere Farbeimer bei dem Arbeiter gefunden. Es fehlen acht Eimer! Leonardo weiß, wo zumindest einer der Eimer verblieben ist. Er fordert einen Gesprächstermin bei Rüdiger. Rüdiger hat keine Zeit! Er hetzt durch die Büroräume und lässt Berechnungen anstellen.

Die Bank ist skeptisch, ob er die neuen Preise auf Dauer halten kann. Rainer stellt Personaleinsparungen von 20% in Aussicht. Das könnte reichen. Ob das mit der Gewerkschaft abgesprochen sei, will der Bankmitarbeiter wissen. Man einigt sich auf einen weiteren Gesprächstermin in der kommenden Woche. Wieder im Auto bemerkt Rainer die Rechnung von Artecuisine, die er auf das Armaturenbrett geworfen hatte. Er rast los.

Bei der Catering-Firma bezahlt Rainer in bar. Dann fragt er nach der Adresse von Kristina.

Kristina ist über Rainers Kommen nicht erstaunt – sie hat sein Werben natürlich mitbekommen. Sie behauptet, dass ihr seine Bilder gefallen hätten und dass er unbedingt weitermalen müsse. Sie lobt die Ursprünglichkeit und natürliche Kraft seiner Werke, die sie mit solchen im Stil provokanter Aktionsmalerei vergleicht. Er wolle sich dem Gestalten zuwenden, sprudelt es da aus Rainer heraus, experimentieren mit Farbe und Form. Er wolle Dinge malen, die größer seien als er. Kristina ist amüsiert. Rainer bietet an, sich an ihrem Atelier zu beteiligen, um ab und zu dort malen zu können. Kristina sagt zu.

Als Rainer gegangen ist, trifft sich Kristina mit Michael. Dass er angebissen hätte, sagt sie, wenn auch anders, als erwartet.

Mit Elan fährt Rainer zum Farbenproduzenten, um einen besseren Preis auszuhandeln. Er tritt sehr forsch auf. Entweder sie kämen ihnen mit dem Preis entgegen, oder die Heinrich Schüttler AG mache pleite, und sie bekämen gar keine Aufträge mehr! Sie einigen sich. Dann kauft Rainer mehrere Eimer Farbe.

Im Atelier hat Kristina Keilrahmen gefertigt und grundiert. Rainer bezahlt großzügig das Material und die Arbeit und händigt Kristina seinen Teil der Miete aus. Er wartet, bis Kristina gegangen ist, dann öffnet er die Farbeimer und fängt an zu malen. Rainer testet sich mit Versuchen im Gegenständlichen, malt eine Schale mit Obst, das er mitgebracht hat: Bananen, Äpfel und Orangen.

Rainer bemerkt nicht Michael, der ihn durch das Atelierfenster beobachtet.

Rainer sitzt im sterilen Besprechungsraum der Bank den Bankern gegenüber. Die sind skeptisch, ob der Preisnachlass bei den Farbherstellern reicht. Was mit den Personaleinsparungen sei, wollen sie wissen. Michael, der Rainer fixiert, sagt nichts. Als sich das Gespräch in die Länge zieht, springt Rainer plötzlich auf. Dass er noch Termine habe, entschuldigt er sich. Sobald Rainer verschwunden und die Tür wieder geschlossen ist, redet Michael Klartext. Mit diesem Mann ist die Firma nicht zu retten, sie ist überhaupt nicht zu retten. Plan B!

 

Rainer ist wieder bei seinen Bildern, mit denen er nichts mehr anzufangen weiß. Was hat er sich bloß gedacht? Erst zögert er, dann beginnt er, die Stillleben zaghaft zu verändern, er übermalt, spachtelt, kratzt und schmiert. Um den Anzug nicht vollends zu ruinieren, zieht er ihn aus und malt in Unterwäsche. Er geht völlig auf, vergisst Zeit, Ort und Haltung. Er teilt Sabine telefonisch mit, dass er bis in die Nacht in der Firma bleiben muss, weil er zu tun hat.

Heinrich bekommt kaum noch Luft, so regt er sich auf. Michael hat ihm vorgeschlagen, die Firma an den Konkurrenten zu verkaufen – als einzig gangbarer Weg aus der Krise. Wahrscheinlich sei ihm in der Konkurrenzfirma ein guter Posten in Aussicht gestellt worden, echauffiert Heinrich sich. Die Heinrich Schüttler AG müsse in Familienbesitz bleiben! Wozu er sonst über vierzig Jahre lang geschuftet habe? Heinrich muss sich setzen. Er nimmt Tabletten fürs Herz. Dass er Rainer sprechen müsse, japst er. Rainer ist nicht in seinem Büro. Wo Rainer sich rumtreibe, will Heinrich kurzatmig von Sabine am Telefon wissen. In der Firma sei er nicht.

 

Spät kommt Rainer nach Hause. Er legt sich neben Sabine ins Bett. Dass Linda die halbe Nacht nicht zu Hause gewesen sei, fängt Sabine zu erzählen an. In der Schule sei sie auch nicht gewesen. Ob sie der Tochter nicht doch die Schauspielschule ermöglichen sollten? Als keine Antwort kommt, fragt sie ihren Mann endlich, wo er war. Aber Rainer ist eingeschlafen. Sabine bleibt wach neben ihm liegen. Irgendwann schläft auch sie ein. Als sie aufwacht, ist Rainer schon wieder weg.

Mit Verspätung kommt Rainer zur Bank, wo die Banker in großer Runde schon warten. Um es abzukürzen sagt er, dass er eigenes Geld einbringe. Damit könnten die neuen Maschinen gekauft werden. Damit es reicht, will Rainer sein Haus verkaufen, seine Aktien, seine Lebensversicherung; er will alles geben, was er hat. Er unterschreibt blanko, damit es schneller geht. Schon rast er wieder los.

Endlich ist Rainer wieder bei seinen Bildern. Noch im Anzug greift er nach Pinsel und Farbe und übermalt die Bilder abermals. Er arbeitet bis zum Nachmittag, mit kurzen Pausen der Erschöpfung, in denen er sich auf das Sofa fallen lässt.

Wegen der Kündigung des Arbeiters ist eine Anhörung beim Arbeitsgericht anberaumt. Leonardo weiß von acht Farbeimern, die gefehlt haben. Nur vier Eimer wurden beim Arbeiter gefunden. Ob er eine Ahnung habe, wo die restlichen Eimer verblieben sind, wird der Vorarbeiter vom Richter gefragt. Leonardo erzählt, was er weiß. Rüdiger hat Farbe genommen! Bevor er befragt werden kann, verlässt Rüdiger den Raum. Er muss zurück zu den Bildern, die längst noch nicht fertig sind.

Er holt sich etwas zu essen, Dinge, die man hastig herunterschlucken kann, Brot und Fisch aus der Dose. Beim Öffnen der Dose schneidet er sich die Hände blutig, das Blut mischt er mit der Farbe. Rainer malt bis tief in die Nacht. Er schläft im Atelier, damit er im Augenblick des Aufwachens, wenn das Licht klar ist und er mit größter Deutlichkeit sieht, die Bilder sofort vor Augen hat.

Allein sitzt Sabine in der Designervilla und schaut herum. Linda, die spät in der Nacht nach Hause kommt, verschwindet wortlos in ihrem Zimmer. Sabine versucht Rainer zu erreichen – ohne Erfolg. Da geht das Telefon. Sabine hebt ab – und erschrickt.

Nachdem sie sich lange nicht mehr hat blicken lassen, öffnet Kristina die Tür zum Atelier. Bilder hängen da, in Farben von einmaliger Klarheit: leuchtendes Rot in verschiedenen Abstufungen, Orange, Tiefviolett, Grün, Gelb, Schwarz. Dass die Bilder nicht fertig seien, stottert Rainer, und dass er nicht wisse, ob er es jemals schaffen werde. Er kauert in Unterwäsche auf dem Sofa, ausgelaugt und zitternd. Dass die Bilder großartig seien, sagt Kristina, vielleicht weil sie sich entschuldigen will – vielleicht meint sie es aber auch ehrlich. Sie setzt sich zu ihm und nimmt ihn in den Arm.

Mit Farbe beschmiert kommt Rainer zu Hause an. Die Villa ist hell erleuchtet. Man hat ihn schon gesucht, überall. Heinrich ist tot, plötzlich gestorben. Das Herz! Wo er die ganze Zeit gewesen sei, will Sabine wissen, wie er aussehe, wieso er sich nicht gemeldet habe und wieso sein Handy nicht gehe? Sabine schluchzt. Sie hat ihren Vater geliebt.

Rainer kommt in die Firma, wo er von aufgebrachten Arbeitern empfangen wird. Die neue Maschinen stehen auf dem Hof – gekauft von seinem Geld. Arbeiter wollten sie montieren, dürfen aber nicht. Die Banken, die nach Heinrichs Tod das alleinige Sagen haben, wollen die Heinrich Schüttler AG Konkurs gehen lassen – sie billig veräußern an eine Konkurrenzfirma, an der sie beteiligt sind. Alles, einschließlich der neuen Maschinen, gehört in die Konkursmasse. Auch Rainers Auto.

Rainer bahnt sich einen Weg durch die wütende Menge in Richtung Ausgang. Als Arbeiter ihn angehen, geht Leonardo dazwischen.

Rainer rennt bis zum Atelier, das am anderen Ende der Stadt liegt, und fängt sofort an zu malen. Er malt wie besessen. Er malt und denkt an nichts als an die Bilder, die er unbedingt fertigbekommen will. Was hat er in seinem Leben sonst geleistet?

Das Boot, das Heinrich gekauft hat, um damit auf Weltreise zu gehen, ist noch nicht bezahlt. Ob sie es übernehmen wollten, will die ahnungslose Mutter von Sabine wissen. Wovon? Rainer hat ihr Geld in die Firma gesteckt, das Haus und alles andere gehört der Bank. Sabine weiß nicht einmal, wo Rainer ist.

Michael kommt und spricht sein Beileid aus. Dass es ihm leid tue, wie es gelaufen sei, behauptet er, und will scheinheilig wissen, was mit Rainer sei. Als Sabine nicht versteht, sagt er, was er weiß, und wo es sich abspielt. Sabine rast los.

Sie schaut durch das Fenster des Ateliers. Bilder hängen da, in Farben von einmaliger Klarheit: leuchtendes Rot in verschiedenen Abstufungen, Orange, Tiefviolett, Grün, Gelb, Schwarz. Rainer kauert davor. Er ist ihr fremd.

Bei der Beerdigung sitzt Sabine mit der Mutter zusammen. Dass Heinrich so viele Jahre lang hart gearbeitet und immer nur an die Firma gedacht habe, jammert die Mutter. Seinen Traum habe er nicht verwirklichen können. Er habe nichts vom Leben gehabt, fährt die Mutter unter Tränen fort, und dass es ungerecht sei.

Sabine schaut zu Rainer, der allein dasteht.

Monate später organisiert Kristina eine Ausstellung für Rainer. Nur ein einziges Bild wird verkauft. Rainer ist es egal. Auch der Käufer interessiert ihn nicht. Er hat längst neue Bilder im Kopf. Er macht sich an die Arbeit.

Das verkaufte Bild hängt im Zimmer einer Vier-Zimmer-Etagen-Wohnung. Sabine sitzt mit ihren Kindern am Tisch. Linda hat sich überlegt, die Schule weiterzumachen, um studieren zu können. Das trifft sich gut. Eine Schauspielschule können sie sich nicht mehr leisten.

Sabine stellt sich einer Grundschulklasse als neue Lehrerin vor. Dass sie neununddreißig Jahre alt und verheiratet sei, erzählt sie. Dass sie zwei Kinder habe, von ihrem Mann aber getrennt lebe. Dass ihr Mann Künstler sei, sagt sie und erklärt, was er macht.

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